Johann Pachelbel/Predigerkirche
Johann Pachelbel ist untrennbar mit der Erfurter Musikgeschichte verbunden. Als er 1678 die Stelle an der Predigerkirche antrat, musste er einen strengen Dienstvertrag unterzeichnen: Er durfte während des Gottesdienstes nicht "theatralisch" improvisieren, sondern sollte den Choral "gravitätisch und devot" begleiten. Diese Einschränkung führte paradoxerweise zu seinem größten Verdienst: Er entwickelte eine Meisterschaft darin, Choralmelodien klar und verständlich vorzubereiten, was ihn zum Vorbild für Generationen von Organisten machte. Besonders eng war seine Bindung zur Familie Bach. Er wohnte zeitweise im Haus des Johann Christian Bach und war der Lehrer von Johann Christoph Bach (dem Ohrdrufer Organisten). Da Johann Sebastian Bach wiederum von diesem Johann Christoph ausgebildet wurde, ist Pachelbel sozusagen der "musikalische Großvater" von J.S. Bach. Die Tragödie seines Lebens ereignete sich 1683, als die Pest in Erfurt wütete und ihm Frau und Kind nahm – ein Schicksalsschlag, der seinen Kompositionen eine neue emotionale Tiefe verlieh.
Ort/Herkunft
Geboren in Nürnberg; lebte und wirkte jedoch 12 prägende Jahre in Erfurt
Historie
Von 1678 bis 1690 Organist an der Predigerkirche; er folgte auf Johann Effler und prägte eine "goldene Ära" der Orgelmusik in der Stadt
Mission/Idee
Verbindung des süddeutschen/italienischen Stils (Melodie, Cantabile) mit der mitteldeutschen Tradition (Kontrapunkt); Lehrer der Bach-Familie
Stil/Besonderheit
Meister des "vorimmitierenden" Choralvorspiels; sein Stil gilt als besonders klar, singbar und weniger "überladen" als der norddeutscher Meister
Typische Werke
"Kanon und Gigue in D-Dur" (vermutlich in dieser Zeit entstanden), "Musicalische Sterbens-Gedancken" (Erfurt 1683), "Acht Choräle zum Präambulieren"
Aktivitäten
Organistendienst, Komposition und vor allem Lehrtätigkeit (er unterrichtete Johann Christoph Bach, den älteren Bruder und Lehrer von J.S. Bach)
Highlight
Seine Zeit in Erfurt gilt als seine produktivste Phase im Bereich der Orgelwerke; er war zudem Patenonkel von Johann Sebastian Bachs Schwester
Überraschendes
1683 verlor er seine erste Frau und seinen Sohn durch die Pest in Erfurt; diese Tragödie verarbeitete er musikalisch in den "Sterbens-Gedancken"
Wunsch für die Zukunft
Das Bewusstsein dafür schärfen, dass Pachelbel nicht nur "Nürnberger", sondern ein zentraler "Erfurter" Musiker war
Karte
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